Befriedung durch Versachlichung

Leserbrief, gesandt an die Pforzheimer Zeitung:
Antwort an Hermann Hieber auf dessen jüngsten Leserbrief, abgedruckt im Leserforum der PZ vom 31.10.2014

Wer im zerstrittenen Wimsheim etwas für den arg angeschlagenen Dorffrieden tun will, möge sich sachlicher Argumente bedienen, so er denn solche hat. Blindwütiges oder hämisches Drauflosschreiben wird selten be­friedend oder ausgleichend wirken, sondern bestehende Gräben eher noch vertiefen. Wem es indessen an fundierter Argumentation gebricht, greift gerne in die Mottenkiste unbewiesener Unterstellungen oder pau­schaler Verleumdungen, übernimmt gar, wie jüngst geschehen, ganze Passagen eines schon einmal fast wortgleich (am 5.4.2014) im selben Blatt veröffentlichten Traktats. Die Literatur ist ja voll von Plagiaten, man sollte sich halt nur nicht dabei erwischen lassen. Wenigstens hat Herr Hieber nur „bei sich selbst“ abge­schrieben!

 

Die Bürgerinitiative Wimsheim (BIW) ist eine unabhängige, durchaus heterogene Gemeinschaft verantwor­tungsbewußter Bürger, die sich im legalen Rahmen in kommunalpolitische Entscheidungen einmischt und da­mit un­mittelbare Demokratie fordert und fördert.

 

 

Unsere Mitglieder wirken und streiten (ja, auch das!) nun schon seit fast zwei Jahren mit bewundernswertem, selbstlosem Einsatz gegen eine „einsame“ und eben nicht von einem Großteil der Bürgerschaft getragene Entscheidung des seinerzeitigen Gemeinderats, die ganz offensichtlich mit professionellem Beistand und unter Ausnutzung einer gesetzlichen Eigenheit gegen jegliche bürger­schaftliche Einflußnahme „eingefädelt“ worden ist. Dafür sprechen mehrere von der BIW auf den Weg gebrachte Bürgerbegehren und der dem Dorffrieden dienliche Vorschlag einer Bürgerbefragung, die den Willen der Bürger zweifelsfrei ans Licht gebracht hätten. Sie alle wurden mit formaljuristischen Begrün­dungen oder sogar unzutreffenden Behauptungen abgewiesen, weil man sich vor der Wahrheit fürchtete. Die bewußte Umgehung eines vermuteten Widerstands aus der Bürgerschaft geriet gera­dezu zum Markenzei­chen dieser Vorgehensweise, an der die BIW letztlich schei­tern mußte. Von Außen betrachtet mag dies „rechtlich einwandfrei“ abgelaufen sein, wie Herr Hieber schreibt, und dem beabsichtigten Zweck waren die eingesetzten Mittel wohl auch dienlich, ob sie jedoch einer sittli­chen Geisteshaltung von Redlichkeit und Loyalität gegenüber den Mitbürgern genügen, wage ich sehr zu be­zweifeln.

 

Das durchgängig erkennbare Bemühen der BIW war und ist, die Bürger immer wieder auf Risiken aus der Ansiedlung eines stark chemielastigen Unternehmens hinzuweisen, denen die Infrastruktur unserer kleinen Landge­meinde in keiner Hinsicht gewachsen ist. Wir haben gefährliche Vorfälle gerade in vergleichbaren Be­trieben in und um Pforzheim der aufsichtführenden Behörde gemeldet, diesbezüglich Berichte aus der Presse gesam­melt und der Bürgerschaft bekannt gemacht, und selbstverständlich haben wir auf reale Gefährdun­gen, die von bestimmten Stoffen und Prozessen ausgehen, immer wieder hingewiesen. In den Reihen der BIW finden sich fachlich kompetente, wissenschaftlich ausgebildete Mitbürger, deren Einschätzungen die Wimsheimer ernst nehmen sollten, anstatt hoffnungsfroh den Tagträumen minderqualifizierter Berufsoptimis­ten nachzuhängen. Jedem noch so schönen Traum folgt bekanntlich ein Erwachen, das nicht immer die Ver­heißungen des Traums erfüllt. Keinem Geringeren als William Shakespeare wird das kluge und bedeutungs­volle Wort zugeschrie­ben: „Die Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit“. Handeln wir danach!

 

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Jentner, Wimsheim

 

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